Was ist VR?

VR = Virtuelle Realität

Um die Frage zu beantworten, ob ich euch erklären kann, was VR ist …
nein.
Dazu müsste ich euch eine VR-Brille aufsetzen, um es zu zeigen.

Doch ich will dennoch versuchen, es zumindest zu umschreiben.

Aktuell seht ihr immer mehr verwirrende Dokumentationen und Werbung zum Thema VR. Dabei tragen die Menschen darin eine die Augen bedeckende Maske/Brille, und dann sind sie in einer völlig anderen Fantasiewelt. Und ihr denkt euch … wieder nur Reklame, das ist doch alles quatsch? Naja, es ist in der Tat von der Qualität her noch ein wenig übertrieben, aber Quatsch ist das tatsächlich nicht. Doch auch die Hersteller verzweifeln und versagen darin, dir die Vorzüge einer VR-Brille ohne VR-Brille zeigen zu können.

Vielleicht gehen wir mal kurz die Geschichte von Computerspielen und Filmen durch … ja, auch zum Filme schauen eignet sich VR.

Damals …

Spiele und Filme wurden auf einem flachen Bildschirm dargestellt – wie ein Gemälde, das auf flacher Ebene eine Landschaft portraitiert.
Das sieht zwar schön aus und wurde über die Jahrzehnte perfektioniert (man denke an Full HD, 4k …), aber es ist eben nur zweidimensional. Eine platte Scheibe. Räumlichkeit kann man sich erdenken, aber sie ist nicht da.

Dann kam 3D …

Ihr ahnt hier vielleicht schon, worauf ich hinaus will. Plötzlich gibt es eine Technik, mit der man Medien und Spiele auch räumlich darstellen könnte. Dinge haben eine Tiefe, wir erkennen, was weiter vorne, was weiter hinten steht, Dinge fliegen auf uns zu oder von uns weg. Doch das alles ist gewissermaßen immer noch Effekthascherei. Denn im Grunde starren wir auf ein Aquarium bzw. ein Kasperletheater.
In einem Kasten passiert etwas, manchmal noch ein wenig davor. Doch es passiert mit einem Rahmen darum. Drehen wir uns weg, ist auch das Erlebnis fort. Im Gegensatz zum gigantischen Kino wirkt 3D daheim geradezu lächerlich – wirklich wie ein Puppenstübchen, denn die Größenverhältnisse sind häufiger … lächerlich.
Solange wir in unserem Blickfeld 3D Medien sehen, fällt unser Kopf auch darauf herein. Drehen wir uns jedoch ein bisschen weg, ist die Immersion weg, denn da sitzt im Kino jemand neben uns oder steht daheim die Stehlampe neben dem Sofa. Wie auch immer, wir starren auf einen Schaukasten und müssen auch genau dort hin sehen.
Es ist nun räumlich, aber wir sind immer noch davor, nicht dabei.

Endlich ein Teil davon …

VR setzt da an, wo 3D einfach nur teuer und dafür viel zu wenig Zugewinn war. VR setzt dich ins Geschehen. Wie geht das????

Im Gegensatz zu den vorherigen Methoden, einen Bildschirm fest zu positionieren und mit Hilfsmitteln deine Sichtweise zu beeinflussen, positioniert VR Bildschirme direkt vor dein Auge.
Das allein wäre noch kein Hexenwerk, denn dann würde das Bild einfach nur vor deinem Auge kleben.

Der große Trick ist … „Tracking“. Jede VR-Brille ermittelt mithilfe unterschiedlicher Techniken deine Orientierung und evtl. sogar noch deine Position im Raum. Was bringt das?

Wenn du den Kopf drehst oder neigst, bewegt sich das errechnete Objekt nicht mit, sondern dein Blickwinkel dazu verändert sich. Wie die Stehlampe neben dem Sofa aus deinem Blickfeld verschwindet, wenn du dich wegdrehst, so geschieht dies nun auch in VR. Die virtuelle Welt ist also ein wirklicher Raum, in dem du dich frei orientieren kannst.

Das genügt dem Gehirn, um zu glauben, in dieser Welt auch zu sein.
Hast du schon mal Star Trek gesehen, also alles ab „The Next Generation“?Die VR-Brille ist quasi ein Holodeck, nur nicht ganz so weit entwickelt. Du musst halt eine blickdichte Brille tragen, die dir diese Umgebung vorgaukelt.

Wo stehen wir?

Was dir die Werbung vorsetzt, ist natürlich sehr reißerisch und etwas übertrieben. Doch VR hat jetzt einige Jahre Entwicklung hinter sich und ist bereits jetzt eine erstaunliche Technologie.

Durch die Brille und entsprechendes Zubehör kannst du dich in der virtuellen Welt orientieren und evtl. sogar darin herumlaufen. Dabei muss natürlich der echte Raum um dich herum den Platz bieten.
Mit entsprechenden Controllern in den Händen, die sich fast nach nichts anfühlen, bekommst du in der virtuellen Welt Werkzeuge, Waffen oder Ersatzhände an die Position der Controller. Da diese Dinge sich genau mit deinen Händen mitbewegen, wird dein Gehirn sehr bald nicht mehr merken, dass du gerade kein Maschinengewehr oder einen Hammer in der Hand hältst. Denn es ist genau an der richtigen Stelle und vibriert bei Kontakt mit etwas. Es ist alles nicht echt, aber das Gehirn glaubt es.

Dabei kann ein Spielehersteller alles mögliche mit dir anstellen – von einem Abenteuer über Reisen bis hin zu diabolischen Actionspielen.
Anything’s possible – naja, viele Dinge sind möglich.

Die aktuelle Technik, die für bezahlbare Preise erhältlich ist, weiß dank der Ortung der Brille, wo sich dein Kopf befindet, und dank der Controller, was deine Hände ungefähr tun. Dies alles kann aber dein Alter Ego in VR nicht vollständig abbilden. Deine Mimik, deine Mundbewegungen, deine Beine … das alles sieht das System nicht und kann es daher entweder in VR nicht zeigen, oder es durch andere Berechnungen ersetzen. Ein Spiel kann also nicht in seinen Prinzipien darauf reagieren, ob du ein Bein hebst oder nicht.

Räumlichkeit

Moderne Systeme erfassen auch deine Bewegung in alle Richtungen.
Ducken, gehen, umdrehen ist also übertragbar in die virtuelle Welt. Allerdings läufst du dann auch 2m vorwärts in der Realtität, wenn du dies in VR tust. Einen endlosen Spielraum gibt es nicht. Früher oder später wirst du eine Wand, einen Schrank oder ähnliches treffen.
Um dies zu vermeiden, haben viele Systeme inzwischen eine Safe-Zone. Es wird also bei der Einrichtung ermittelt, in welchem Spielbereich du dich bewegen darfst, und ab wann es dich warnen soll – ca. 1m vor der Wand wäre hilfreich.
Wenn wir uns aber nur in einem sehr begrenzten Spielraum bewegen können – darf dann die gesamte virtuelle Spielwelt auch nur 2x2m sein?
Nein, die Welt kann unendlich sein – hier bedienen wir uns der Krücken, die wir schon vom Flachbildschirmspiel kennen. Haben wir nicht eh schon Controller in der Hand? Auf diesen befinden sich meist auch Thumbsticks oder Richtungstasten. Mit diesen können wir unsere Figur bewegen, ohne uns selbst zu bewegen – geradeso, als säßen wir auf einer Plattform, die sich entsprechend bewegt.

Im teuren Bereich und in der Forschung und Industrie ist man schon weiter – hier gibt es schon Anzüge, die sich voll erfassen lassen, sogenannte Treadmills, in denen wir wie auf einem Laufband in alle Richtungen in VR laufen, uns hier in der Welt aber nur auf Bändern bewegen. Ihr kennt das Laufband im Fitnessstudio, auf dem man mehrere Kilometer läuft, aber eigentlich immer auf der Stelle bleibt?

Fassen wir also zusammen, dass sich VR gerade in einer Pubertät befindet und ständig weiter entwickelt. Wer es noch nie probiert hat, sollte sich im Umfeld umschauen – irgendwer lässt euch bestimmt mal gucken.

Denn aufgrund der Missverständnisse, Irrtümer, der Unerklärbarkeit und nicht zuletzt der Preishürde ist den meisten Menschen nicht bewusst, was sie da gerade verpassen. Klar ist es nicht für jeden was, aber es ist doch bestimmt mal ein Schnuppern wert, oder?

Wie war das damals noch? Dieses „Internet“ wird sich garantiert nicht durchsetzen?